Presseartikel


Thema: Konzert mit Fettes Brot am 10.03.2002
(HNA vom 12.03.2002)

So war's: Fettes Brot in Kassel

"Fettes Brot" füllte Sonntagabend die Halle des Spot mit Fans, fetten Beats und einer angenehmen Atmosphäre, die man so wohl nur auf Hip-Hop-Konzerten erlebt.

Ihr kometenhafter Aufstieg begann 1995 mit "Nordisch By Nature": Fettes Brot. Dass es sich bei König Boris, Dr. Renz und Schiffmeister nicht um Eintagsfliegen handelt, ist seit dem Hit "Jein" von 1996 jedem klar. Mit tanzbaren Beats und klugen Textarrangements haben die sympathischen Macher erfolgreich die Hamburger Schule absolviert.

Sonntagabend im Kasseler Spot stellten die drei Butjes aus dem hohen Norden die Platte "Demotape" in den Mittelpunkt. Doch "Jein" entpuppte sich dann zunächst doch als ultimative Hymne. Die drei von der Waterkant gaben wenig auf Distanz zu ihren Fans und daraus resultierte wohl auch die entspannte Stimmung im fast ausverkauften Spot.

Alles andere als abgehoben wirkten sie, wenn sie ihr Geplauder mit fettem Einsatz in druckvolle Nummern ablösten. Da wurde gerappt über Sex, Drogen, Politik, Hass, Ekel und experimentelle Musik - in dieser Reihenfolge. Fehlt noch was? Logisch. "Saufen!" Statt der Aufforderung "jump around" forderten Fettes Brot "mehr Bier", verweisen sie in "Fast dreißig" doch darauf, dass Alkohol konserviert.

Und siehe da, ein Instrument verirrte sich auf die Bühne - vor die heiligen Plattenteller. Selten hat eine E-Gitarre durch ihre bloße Anwesenheit auf einem Musikkonzert solche Begeisterungsstürme ausgelöst - war das eine Aufregung! Doch die Tanzperformance dazu war wunderbar und Fettes Brot selbst sind und bleiben ihre besten Backgroundsängerinnen!

"Hiermit bewerbe ich mich bei ihnen als Chef", eine Textzeile, der man fast autobiografischen Charakter zuschreiben möchte, sieht man den selbstbewussten, vertrauten Umgang mit einem tobenden Saal. "König Boris ist im Haus und Kassel rastet aus" reimte der Publikumsliebling, zugegebenermaßen nicht übertrieben originell, und ließ sich in die Menge fallen. Dass er währenddessen weiter rappte, wird ihm keine Minuspunkte eingebracht haben.

Nachdem "Schwule Mädchen" als Superabräumer den Saal nun fast bersten ließ, versuchten die musikalischen Fischköppe als erste "Rap-Top-Forty-Cover-Band" in die Geschichte einzugehen, "da es tatsächlich noch andere geile Hip- Hop-Bands gibt". Sie huldigten den Absolut Beginners, Eins 2wo oder Freundeskreis, als sie sich auf Partysafari begaben, mit der Anmerkung "wenn der Vorhang fällt - dann liegt das wohl am Kiffen".

"Unser Style ist der geilste zurzeit" war Quintessenz des Abends. Das Publikum zeigte sich damit einverstanden, "denn wir sind ja nicht blind".

(Gesine Voigt/ HNA-Kulturredaktion)



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